Rundgang

Himmlische Ordnung:



Senanque (Provence)

Das Kloster der Zisterzienser ist eine geordnete Welt mit höchster Funktionalität. Alle Räume folgen dem Rhythmus des Tagesablaufes und gliedern sich um das Geviert des Kreuzganges. Im Osten befinden sich die Räume für den Tagesbeginn: Kapitelsaal und Parlatorium, der Durchgang zum Garten und der Brüderraum für alle Arbeiten. Zur Mittagszeit konzentrieren sich die Räume auf die warme und helle Südseite: Die Wärmstube (Calefactorium), der Speisesaal (Refectorium) und die Küche. An der Westseite, der Seite, die zur Außenwelt hin gewendet ist, befinden sich die Wirtschaftsräume: Keller, Speisesaal und Schlafsaal der Laienbrüder. Die Nord- und Nachtseite des Klosters gehört der Kirche. Hier verbringen die Mönche vor allem im Dunkel der Nacht viele Stunden des Gebets.

 

Die Anordnung der Räume entsprechen größtenteils dem benediktinischen Klosterschema, allerdings mit ein paar signifikanten Abweichungen: Der Ostteil wird über das Geviert hinaus verlängert, ebenso der Westteil. Dazwischen befindet sich der Speisesaal im rechten Winkel zum Kreuzgang als dritte und mittlere Verlängerung. Wärmstube und Küche schieben sich funktional dazwischen. Der Westteil ist bei den Zisterziensern den Laienbrüdern vorbehalten. Sie erhalten praktisch eine eigene Klausur neben der der Mönche. So nehmen sie indirekt am Leben der Mönchsgemeinschaft teil. Neben einem eigenen Dormitorium und Refektorium gehörte auch der Vorratskeller zu ihrem Bereich. In der Frühzeit war das Gebäude der Konversen vom Kreuzgang noch abgesetzt. Durch eine kleine Gasse erreichte man so die Kirche (vgl. Eberbach oder Clairvaux). Später wurde der Westteil direkt an den Kreugang angeschlossen.

 

Im Osten des Klosters befinden sich das Krankenhaus, Abtsgebäude und Bibliothek in der Ruhe des Klostergartens. Die Wirtschaftsgebäude liegen dagegen der Welt zugewandt im Westen. Alle Gebäude werden von der Klostermauer umfaßt. Nichts soll außerhalb des Klosters liegen. Besondere Aufmerksamkeit widmen die Mönche dem Fluss des Wassers, das die Anlage von West nach Ost durchfließt - ein kleiner Mikrokosmos der himmlischen Vollkommenheit.

 


 

Annodomini 1098
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