Ruf nach Norden
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 Nydala, Gründungskirche
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 Nydala, Chor
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 Alvastra, Ruine
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 Varnhem, Klosterkirche
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 Gudhem, Ruine
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 Esrom, Reste der Abtei
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Die Zisterzienser in Skandinavien
Es muss schon ein größeres Unternehmen gewesen sein, das im Jahre 1143 gen Norden zieht um zeitgleich zwei neue Klöster in absolutem Neuland zu gründen. Am selben Tag lassen sich jeweils 12 Mönche und ein Abt - und ein ganzer Bautroß an Handwerkern, Architekten und Laienbrüder - an zwei verschiedenen Orten in Schweden nieder: am Vormittag in Alvastra und am Nachmittag in Nydala. Gerufen wurden sie von König Sverker d.Ä. und Bischof Gislo von Linköping. Doch vermittelt wurde die Gründung wie später auch die im dänischen Esrom (1150) von Erzbischof Eskil von Lund, der sich Clairvaux sehr verbunden fühlte und viele Jahre selbst dort verbrachte.
Das ehrgeizige Vorhaben war nicht unumstritten: Die ausgesandten Mönche zweifelten am Erfolg der Mission. So hatte Berhard etwa dem zweiten Abt von Alvastra schon vor seiner Abreise das Versprechen gegeben, ihn später wieder nach Clairvaux zurückzuholen, was er später dann auch einhielt. Der Anfang in dem noch nicht lange christianisierten Schweden (Taufe des ersten schwedischen Königs in Husaby 1008) war mühsam. In Nydala mühten sich die Mönche mit den harten Gegebenheiten ab. Sümpef mussten trocken gelegt werden und Gebäude für die kalten Winter gebaut werden. Die Gründungskapelle und das Stallgebäude in Nydala erzählen noch davon, wie bescheiden und beschaulich der Anfang gewesen sein muss.
Doch der Erfolg der Mission blieb nicht aus. Die Klöster kamen durch reiche Schenkungen bald zu Wohlstand, Tochtergründungen wie Varnhem (1152) zeugen vom Wachstum der Klöster. Längst hatten die Zisterzienser Erfahrung in ihrem Gründungsprogramm, das immer nach dem selben Muster ablief: Kontakte zur hohen Geistlichkeit als Vermittler, den Hochadel oder Königshäuser als Stifter, reiche Schenkungen als Grundstock und wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmungen der Klostergründungen als Voraussetzung für weitere Tochtergründungen im näheren Umfeld.
Dass dies sich auf die Bautätigkeit der Klöster bezieht kann man in Alvastra, Nydala oder Varnhem schön sehen. Absolut stilrein setzen sie den bernhardinischen Idealplan der Mutter in Clairvaux um. Die Chorfassade in Nydala erinnert an Vorbilder in Burgund (Fontenay) und anderswo (Eusserthal, San Galgano), die Reste von Alvastra zeugen von zisterziensischer Rationalität und Reduktion auf das Funktionale, die Klosterkirche von Varnhem ist eine direkte Kopie von Clairvaux II mit Umgangschor (ähnlich in Pontigny oder Heisterbach). Es überrascht schon, wie weit entfernt im Norden Europas mustergültig genau ein Plan umgesetzt wurde, der hier völlig fremd und neuartig war.
Die Bedeutung der neuen Zisterzienserklöster bei der Vertiefung des Christentums und der Kolonisation Schwedens kann nicht hoch genug angesetzt werden. Der direkte bauliche Einfluss lässt sich an Kirchen wie Heda und Husaby sehen, die oft nur wenige Kilometer vom Kloster entfernt sind, oder dem Vorbild des Ordens auf städtische Neugründungen wie dem Birgitten-Kloster in Vadstena. Ein besonderes Licht auf das hohe Ansehen des Ordens wirft die Unterstützung des Adels beim Bau neuer Klöster wie es Birger Jarl beim Bau von Varnhem oder Königin Katarina bei der Förderung des Frauenklosters Gudhem erkennen ließ.
Der Untergang der Klöster bei der Reformation in Schweden lassen ihre Bedeutung in Vergessenheit geraten. Die Gebäude verfallen, werden abgerissen und für königliche Schlösser genutzt. Oft zeugen nur noch Ruinen von den einstigen Zentren mittelalterlicher Geistlichkeit, die erst nach Ausgrabungen und der Bausicherung der vergangenen Jahrzehnte wieder erkennbar wurden.
(Literatur: Immo Eberl, Die Zisterzienser, S. 70f)
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