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Der berhardinische Plan

Zwischen 1133 und 1145 herrscht in Clairvaux eine rege Bautätigkeit. Die bisherigen Gebäude im oberen Tal der Aube waren von den Mönchen um Bernhard selbst als Gründungskonvent gebaut worden. Von 1115 bis 1133 hatte er hier fast zwanzig Jahre zusammen mit seinen Brüdern in einfachen und ärmlichen Verhältnissen gelebt. Der einfache, rechteckige Kirchenbau mit einem Anbau für Küche, Refektorium und darüber liegendem Dormitorium entsprach ganz der asketischen Seele Bernhards. Mit viel Aufmerksamkeit hatte er hier kunstvoll Wasserkanäle anlegen lassen, die Steine für die ersten Gebäude hauen lassen, das Gemeinwesen von Clairvaux aufgebaut, das dem Ruhm des Klosters und des Heiligen bald voraus lief.

 

Immer mehr Novizen zog die kleine Abtei im lichten Waldtal an. Die Gebäude wurden bald zu klein und der Platz im Tal wurde zu eng für eine Erweiterung. Während sich Bernhard 1133 in Rom aufhielt, planten sein Prior Godefroid de la Rochelle und der Novizenmeister Achard ein ganz neues Kloster etwa 300 Meter weiter westlich. Bernhard ließ sich nach seiner Rückkehr nur sehr ungern für diesen neuen Plan gewinnen. Nur zögerlich gab er seine Zustimmung für das neue Projekt, das ihm zu groß und unpassend für seine Gemeinschaft erschien. Bernhard wollte sich von der sorgsam gestalteten Anlage im Wald nicht einfach trennen. Die Zustimmung zum neuen Projekt lässt sich jedoch mit seinem Engagement für die besondere Ausprägung des zisterziensischen Klosters erklären, die von den Forschern später als bernhardinischer Plan bezeichnet wurde.

 

Ab 1135 begann der Bau der neuen Kirche von Clairvaux, Clairvaux II genannt, die zum Prototyp aller weiteren Kirchenbauten des Ordens werden sollte. In den zehn Jahren Bautätigkeit von Kloster und Konvent wurde das charakteristische Bauschema des Idealplans entwickelt, das später bei den zahlreichen Tochtergründungen von Clairvaux immer wieder Anwendung fand. Auch beim Neubau der Klosterkirche von Cîteaux orientierte man sich am Neubau der Tochterabtei. Leider ist von der Klosterkirche von Clairvaux nach der französischen Revolution nichts übrig geblieben. Wir kennen sie nur noch aus alten Ansichten. Auch die Kirche von Cîteaux fiel der Spitzhacke zum Opfer. Allein der Konversenbau des neuen Klosters in Clairvaux blieb bis heute erhalten und zeugt von der nüchternen Rationalität des berhardinischen Plans. Obwohl erst nach der Kirche und den Konventgebäuden um 1150 erbaut, wurde er wohl noch zu Lebzeiten des Heiligen (gestorben 1153) fertig gestellt.

 

Gleichzeitig zu dem Neubau in Clairvaux begannen die Baumeister Bernhards mit dem Bau der Kirche und der Abteigebäude des Tochterklosters Fontenay. Bernhard selbst muss den Fortgang des Projektes mit sehr viel Aufmerksamkeit verfolgt haben. Fontenay wird so zum Musterprojekt des Ordens, das den bernhardinischen Idealplan mustergültig darstellt. Glücklicherweise wurde die Abteikirche dort vor dem Abriss bewahrt (die älteste erhaltene Zisterzienserkirche Frankreichs) und zeigt uns heute noch, wie die Kirchen von Clairvaux oder Cîteaux einmal ausgesehen haben müssen. Die lange spiztonnengedeckte Halle ohne Obergaden und niedererem Querschiff wiederholt eine wirkungsvolle Reihe von Spitzbögen, die von einer Reihe quergestellten Seitenschiffgewölben abgestützt werden. Ein kleines gerade geschlossenes Chorhaus schließt die Kirche nach Osten ab, verziert mit mehreren kleinen Fenstern, die das Licht von Osten in die Kirche einströmen lassen.

 

Diese typische Ausprägung des Bauschemas finden wir in zahlreichen Kirchenbauten des Ordens in überraschender Einheitlichkeit überall in Europa wieder. Auch weit von Clairvaux entfernt wurden Neubauten wohl immer nach den gleichen Bauplänen reproduziert in einer für das Mittelalter erstaunlichen rationalen Produktivität. Direkt nachweisen lässt sich die Beeinflussung der Bauformen durch Baumeister aus Clairvaux bei den englischen Gründungen in Fountains und Rievaulx, die als getreue Kopien der Anlage von Clairvaux gelten können. Doch finden wir den selben Baucharakter auch bei den Klosterkirchen von Poblet in Spanien, Fossanova in Italien, Ebrach und Eberbach in Deutschland und sogar noch im schwedischen Alvastra und Nydala.

 



 

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